Begriffe & Definitionen

Kultur

In der gängigen Auffassung wird Kultur am häufigsten mit Hochkultur identifiziert, also mit Artefakten wie Kulturdenkmäler, Architektur, Kunst, Theater und Literatur. Denkt man an andere Länder und deren Kultur, dann wird Kultur mit einer Nationalkultur oder einer Ethnie in Verbindung gebracht. Die Eingrenzung von Kulturen auf nationale Grenzen geht auf die Bildung von Nationalstaaten im 19. Jhd zurück. Die Bildung einer kulturellen Identität auf der Basis einer Nationalkultur wurde in Europa forciert, indem versucht wurde, auf eine möglichst einheitliche, reine Kultur zurückzugreifen. Diese Kultur wurde dann mit einer Nation identifiziert. Kultur manifestiert sich aber auch in Religion oder Sprache. Auch der Bereich der Alltagskultur ist Teil von Kultur – man spricht heute immer mehr von Esskultur, Tischkultur, Streitkultur, Organisationskultur, Gesprächskultur usw. Diese Bereiche der Kultur werden als “objektive” Kultur bezeichnet.

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Kultur und Interkulturalität

Objektive und subjektive Kultur

Im interkulturellen Bereich spricht man von subjektiver und objektiver Kultur. Diese grundsätzliche Unterscheidung ist sehr bedeutend. Die subjektive Kultur, jener „unsichtbare oder nicht bewusste“ Bereich der Kultur, der die Verhaltensweisen, Werte und Normen einer Kultur betrifft, ist in der interkulturellen Kommunikation sehr wichtig. Auf dieser Ebene kommt es zu interkulturellen Konflikten.

Kultur als Zugehörigkeit

Aus der Zugehörigkeit zu verschiedenen kulturellen Gruppen bildet sich die kulturelle Identität des Menschen heraus. Kulturelle Gruppen sind etwa Geschlechtszugehörigkeit, Ethnien, Nation, Religionsgemeinschaft, Familie, Beruf, Peers. Die Zugehörigkeiten sind vorgegeben, zufällig und bewusst gewählt. Bestimmte Gruppenzugehörigkeiten ändern sich im Laufe des Lebens, andere bleiben konstant. Jede Änderung hat Auswirkungen auf unsere Identität. Dies ist vor allem beim interkulturellen Anpassungsprozess von Bedeutung.
Kultur als Kommunikationsprodukt
Der Mensch kommuniziert und hat ständig mit anderen Menschen zu tun. Seine kulturelle Identität entsteht in dieser Interaktion mit anderen. Kommunikation bedeutet hier nicht nur die gesprochene Sprache, sondern auch der Bereich der nonverbalen Kommunikation, Gestik, Körpersprache, Körperdistanz, Blickkontakt, Tonfall und Lautsträrke beim Sprechen usw. In der interkulturellen Kommunikation ist dieser Aspekt sehr wichtig, weil es hier häufig zu Missverständnissen kommt.

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Ortsidentität

Ein bedeutender Aspekt bei einer Auslandsentsendung ist der Verlust der Ortsidentität durch den Wohnortwechsel. Zu unserem Heimatortort entwickeln wir eine besondere Bedeutung, die eng mit unserer Identität verbunden ist. Bei einem Wohnortwechsel kommt es zu einer inneren Distanzierung zwischen uns selbst und unserer gewohnten Umwelt und damit zu einem Verlust der Ortsidentität. Eine psychische Ablösung von der früheren Umwelt ist folglich für die erfolgreiche Anpassung an die neue Umgebung nötig. Hält man zu lange an den gewohnten und für die neue Umwelt nicht mehr passenden Verhaltensnormen fest, kommt es zum Konflikt, der sich letztlich in einem Kulturschock äußert.

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Kulturelle Identität

Kulturelle Identität bildet sich in einem zirkulären Verhältnis in und durch die jeweilige Kultur, durch die Zugehörigkeit zu bestimmten kulturellen Gruppen. Sie unterliegt einem Prozess der ständigen Veränderung. Dies wird gerade durch Vermischungen von Kulturen deutlich.

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Kultureller Anpassungsprozess

Der kulturelle Anpassungsvorgang ist bestimmt durch Annehmen von Neuem und Aufgeben von Altem: Nicht nur neue Elemente der fremden Kultur werden übernommen, sondern „alte“ kulturelle Elemente müssen abgelegt werden, um sich in der neuen Umgebung zurecht zu finden. Für eine erfolgreiche Akkulturation sind dabei folgende Faktoren bedeutend:

Phasen des Anpassungsprozesses

Während des Anpassungsprozesses kann es zum Kulturschock kommen. Dieser tritt nach einer anfänglichen Begeisterungsphase auf, wenn man sich schon etwas eingelebt hat und mit der neuen Situation etwas vertrauter ist. Es beginnt die interkulturelle Konfrontation. In vielen Alltagssituationen erlebt man, dass die eigenen Handlungsmuster nicht mehr passen, wodurch es zu Missverständnissen und einem Gefühl des Unbehagens kommt. Man spürt deutlich, wie hier zwei unterschiedliche subjektive Kulturen aufeinander prallen. In dieser Situation kommt es zum Kulturschock.

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Kulturschock

Eine Entsendung ins Ausland ist eine einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. Durch den Orts- und Kulturwechsel ergeben sich nachhaltige Folgen auf seine Identität, seine Arbeitsweise, seine Beziehungsnetze, seine Tätigkeiten und natürlich hat dies alles Auswirkungen auf die weiteren Familienmitglieder. Nichts kann so weitergeführt werden wie bisher. Eine Situation mit so gravierenden Veränderungen für das Leben eines oder mehrerer Menschen wird als kritisches Lebensereignis oder Life Event bezeichnet.

Auslöser eines Kulturschocks:

Auf der Wahrnehmungsebene: Ortsveränderung - Verlust der Ortsidentität, Erleben
einer anderen Zeit- und Raumwahrnehmung
Auf der Kommunikationsebene: Sprache und Sozialverhalten – hier sind alle Ebenen menschlicher Äußerungen und Reaktionen – nonverbale Kommunikation, verbale Kommunikation, Gestik, Körperdistanz betroffen

Symptome eines Kulturschocks:

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Coping Strategien

Eine gute Vorbereitung auf den bevorstehenden Auslandseinsatz ist sehr bedeutsam: Kultur-Lernen und interkulturelles Vorbereitungstraining. Es geht dabei um eine verbesserte Selbst- und Fremdwahrnehmung, Reflexion des eigenkulturellen Selbstbildes, Sensibilisierung des Einfühlungsvermögens und Entwicklung eines kulturellen Bewusstseins. Zu weiteren Coping Strategien gehört auch das Zurückgreifen auf soziale Unterstützung durch andere Personen und auf eigene Ressourcen (Wissenserwerb, Erfahrungen, positiver Umgang mit Stresssituationen).

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Ethnizität

Der Begriff Ethnizität bedeutet vor allem eine regionale Herkunft, eine gemeinsame Sprache und gemeinsame Geschichte einer bestimmten Gruppe. Vor allem in der Situation von Minderheiten, Randgruppen im Zusammenhang mit Migration besteht die Gefahr der Stagnation: die Gruppe schießt sich zusammen, schirmt sich ab, verstärkt dadurch ihre ethnische Identität. Auf der anderen Seite kommt es zu Diskriminierung, Rassismus, Fremdenhass, Benachteiligung in der Schule und am Arbeitsmarkt.

Hybridität

Das Konzept der Hybridität theoretisiert die Prozesse dieser Überschreitung nationalisierter und ethnisierter Grenzen und der kulturellen Mischformen. Es geht um das Aufdecken der Verbindung von Kultur und Herrschaft und die daraus resultierenden Ungleichheit der Vermischungsprozesse (im Gegensatz zum Konzept der Gesellschaft als „melting pot“).

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Interkulturalität

„Interkulturaltität bezieht sich auf Kontakte zwischen Menschen, die unterschiedlichen, homogen gedachten Kulturen angehören. Dieses Konzept unterstellt, dass es in den zwischenmenschlichen ‚inter’-kulturellen Begegnungen Verständigungsprobleme und Konflikte gibt. – Was für unsere Erfahrungen in der Regel zutrifft, aber nicht verallgemeinert werden sollte. – Wissenschaftliche Forschungen zu Interkulturalität unterstehen demzufolge dem gesellschaftlichen Alltag, das gegenseitige Verstehen zu verbessern und dadurch ein konfliktfreieres Zusammenleben zu ermöglichen.“ (Margrit Kaufmann, Univ. Bremen)

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Multikulturalität

„Multikulturalität spricht von einem Nebeneinander von in sich homogenen Kulturgruppen innerhalb eines geteilten Raumes und enthält die Idee, jeder kulturellen Gruppe das Recht auf ihre eigenen Lebens- und Denkweisen zuzugestehen und zwischen den Gruppen eine gegenseitige Toleranz und Verständigung aufzubauen. Dadurch beschönigt das Konzept die existierenden Machtverhältnisse zwischen den verschiedenen kulturellen Gruppen, die ungleichen Rechte und Möglichkeiten.“ (Margrit Kaufmann, Univ. Bremen)

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Transkulturalität

Der Begriff Transkulturalität meint ein Verständnis von Kultur, bei dem es nicht um Ausgrenzung geht, sondern um Anknüpfung und um Übergänge, um die Entwicklung von neuen Lebensformen durch die Vermischung von Kulturen.

„Transkulturalität als neueres Konzept distanziert sich von der Vorstellung homogener Kulturen und ihnen eindeutig angehörenden / zuzuordnenden Subjekten. Es betont die supranationalen, globalen Vernetzungen und gegenseitigen Einflüsse, Mischungen und Durchdringungen. Ihm entsprechen bezogen auf die Subjekte Konzepte wie das der Hybridität, des Nomadisierens und des Kosmopolitischen.“ (Margrit Kaufmann, Univ. Bremen)

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Interkulturelle Kompetenz

Interkulturelle Kompetenz ist die Fähigkeit, innerhalb einer Gruppe, deren Mitglieder unterschiedlicher kultureller Herkunft sind, wirksam interagieren zu können. Dazu gehören:

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